Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt an Schulen

Verhaltenskodex für die Schulgemeinschaft

Unsere Arbeit innerhalb der Schulgemeinschaft ist von Respekt, Wertschätzung und Vertrauen geprägt. Wir achten die Persönlichkeit und Würde aller. Wir verpflichten uns, Schritte zu entwickeln, damit Schule ein möglichst sicherer Ort ist, an dem Betroffene auch Hilfe finden können. Wir beziehen aktiv Stellung gegen sexistisches, diskriminierendes und gewalttätiges verbales und nonverbales Verhalten. Fehlverhalten und Grenzüberschreitungen werden von uns benannt und nicht toleriert. Wir gestalten unsere schulischen Beziehungen professionell und sind uns bewusst, dass zwischen Lehrkräften und Lernenden ein Machtgefälle besteht. Deshalb gehen wir verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz um. Individuelle Grenzen der Kinder und Jugendlichen werden von uns respektiert. Wir bemühen uns um eine Kultur, in der alle Formen der persönlichen Grenzverletzung benannt und kritische Situationen offen besprochen werden können. Im Konfliktfall ziehen wir fachliche Unterstützung und Hilfe hinzu.

Bereich Nähe und Distanz:

Die Kontaktaufnahme erfolgt ausschließlich für schulische Belange. Zu unserem professionellen Umgang mit Nähe und Distanz gehört, dass Berührungen grenzachtend und nur nach vorher kommuniziertem Einverständnis erfolgen, z.B. im sportlichen Kontext oder als Hilfestellung. Im Zweifel oder unklaren Situationen lassen sich die Lehrkräfte von ihrem Auftrag, die Kinder und Jugendlichen zu schützen, leiten und achten sensibel auf die Körpersprache des Gegenübers. Individuelle Grenzen zu Nähe und Distanz sollen kommuniziert werden.

Bereich Sprache:

Wir sind uns bewusst, dass Sprache auch eine Form der Gewalt sein kann und dass Grenzen individuell sind. Somit können Worte verletzend sein, selbst wenn dies nicht beabsichtigt ist. Wir verzichten auf grenzüberschreitende Äußerungen und intervenieren gegebenenfalls. Dazu zählt auch, dass wir Situationen weder verharmlosen noch relativieren. Lehrkräfte sind sprachliche Vorbilder und achten auf eine respektvolle und achtsame Sprache sowohl im persönlichen Umgang als auch in digitalen Medien. Wir achten auch untereinander darauf, dass wir beziehungsangemessen kommunizieren.

Bereich Einzelgespräche:

In Gesprächssituationen achten wir auf einen angemessenen räumlichen Abstand und gestalten den Gesprächsraum der Situation und dem Anliegen entsprechend, so dass sich alle Beteiligten sicher fühlen (z.B. geöffnete Tür, weitere Beteiligte/Vertrauensperson, Möglichkeit zum Verlassen der Situation, gemäß den Regeln von „voice-choice-exit“). Schilderungen und Erscheinungsbild unseres Gegenübers bleiben unbewertet. Wir nehmen Anliegen ernst und signalisieren Offenheit für eventuelle Folgegespräche.

Bereich Sport, Bewegung und Bühne:

Im Rahmen unseres Schutzkonzepts nehmen wir grenzüberschreitendes Verhalten ernst und setzen uns aktiv dafür ein, solches Verhalten im Unterricht nicht zu tolerieren. Um die Privatsphäre der Lernenden zu wahren, klopft die Lehrkraft stets an die Tür, bevor sie die Umkleideräume betritt. Diese Maßnahme ermöglicht es den Lernenden, sich auf das Eintreten der Lehrkraft vorzubereiten und fördert ein respektvolles Miteinander (Ausnahme: Gefahr in Verzug, z.B. Erste Hilfe). Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Schutzkonzepts betrifft die Bekleidung im Sportunterricht. Wir erwarten von allen eine dem Kontext Sportunterricht angemessene und funktionelle Kleidung. Darüber hinaus sind die Themen „Helfen“ und „Sichern“ von entscheidender Bedeutung für ein angstfreies und sicheres Sporttreiben in der Schule. Hilfestellungen werden im Voraus klar und transparent kommuniziert, um Missverständnisse zu vermeiden.

Bereich Kleidung:

Wir kleiden uns der Institution und der Situation angemessen. Wir bewerten und behandeln Menschen nicht nach der Art und Weise, wie sie sich kleiden; niemand darf aufgrund der Kleidung sexualisierte Gewalt erfahren.

Bereich Fahrten:

Wir fahren, soweit dies möglich ist, jeweils mit männlicher und weiblicher Begleitperson. Die Zimmereinteilung muss durch die Lehrkraft so organisiert werden, dass keine Lernenden “übrigbleiben”. Nach Möglichkeit sind die Lernenden nach Geschlechtern getrennt unterzubringen. Unterwäsche sollte nicht sichtbar gelagert werden. Zimmerkontrollen und das morgendliche Wecken sollten von Lehrkräften des gleichen Geschlechts vorgenommen werden. Alle Lernenden schlafen in ihren eigenen Betten, auch bei Krankheit. Tagsüber ist der Aufenthalt in anderen Zimmern nur mit Einverständnis aller Personen gestattet, die in dem betroffenen Zimmer untergebracht sind. Wir signalisieren Offenheit und Ansprechbarkeit (auch in anonymer Form). Bei der Unterbringung in Austauschfamilien müssen Lehrkräfte für die Lernenden in besonderer Weise ansprechbar sein. Lehrkräfte gestalten Programmpunkte sensibel und respektieren individuelle Grenzsetzungen. Wir respektieren die Privat- und Intimsphäre, indem wir uns bemerkbar machen, bevor wir die Zimmer betreten (Ausnahme: Gefahr in Verzug). Wir vermeiden unnötigen Körperkontakt und respektieren es, wenn Personen z.B. bei erlebnispädagogischen Spielen keinen Körperkontakt untereinander wünschen (Ausnahme: Gefahr in Verzug, z.B. Erste Hilfe). Im Rahmen von Schulveranstaltungen sind Küsse zwischen Lernenden auf ein zumutbares Maß zu reduzieren. Im Schwimmbad vermeiden wir den gemeinsamen Aufenthalt von Lehrkräften und Lernenden in engeren Becken, z.B. im Whirlpool. Übergriffe, wie Hose runterziehen oder Bikini öffnen, sind verboten. Alle Regeln werden im Vorfeld mit den Lernenden besprochen.

Stand: 04.05.2026