Die Föhrfahrt aller Achtklässler – Tradition schafft Identität

Zehn Tage fernab von Familie und Freundeskreis mit den eigenen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden sowie den Lehrkräften zu verbringen, ist für junge Menschen eine ganz besonders wertvolle Erfahrung.(…)Klassenfahrten gehören deshalb zu den unverzichtbaren Aufgaben von Schule: Sie eröffnen neue Erfahrungsräume, stärken die Gemeinschaft und lassen Lernen auf eine ganz andere Weise außerhalb der gewohnten Schulmauern stattfinden.

Für die Schüler des 8. Jahrgangs führt dieser außergewöhnliche Erfahrungsraum seit vielen Jahrzehnten auf die Insel Föhr. Im Jahr 2023 durfte das Gymnasium an der Stadtmauer dabei eine außergewöhnliche Ehrung feiern: Zum 70. Mal war ein Jahrgang zu Gast auf der nordfriesischen Insel. Die dazugehörige Urkunde ist heute in der Schule vor dem Verwaltungstrakt zu sehen – ein sichtbares Zeichen für eine großartige und über Generationen gewachsene Tradition.

Eine Klassenfahrt mit Charakter

Ursprünglich wurde die Reise als Schullandheimaufenthalt konzipiert. Sie sollte daher von Beginn an mehr sein als eine gewöhnliche Klassenfahrt: Naturerlebnis, Unterricht außerhalb des Klassenzimmers und gemeinsames Leben sollten miteinander verbunden werden. Im offiziellen Fahrtenkonzept ist die Föhrfahrt deshalb ausdrücklich für die gesamte Klassenstufe 8 vorgesehen.

Föhr bietet dafür ideale Voraussetzungen und Bedingungen. Die Jugendlichen können unmittelbar erleben, was im Unterricht sonst häufig nur theoretisch behandelt werden kann: das Wattenmeer, die Küstenlandschaft und die besondere Ökologie einer Insel. Ausflüge führen zu den Halligen und auf die Nachbarinsel Amrum. Hinzu kommen Sport, Strand und zahlreiche gemeinsame Aktivitäten. Naturkundliches Lernen verbindet sich auf diese Weise ganz selbstverständlich mit Spiel, Bewegung und Erholung.

Mehr als eine Klassenfahrt

Dass die Reise einen besonderen Stellenwert im Schulleben besitzt, zeigt sich auch in der langen Geschichte. Selbst im Jubiläumslied des Gymnasiums wird sinngemäß davon erzählt, dass man in der achten Klasse nach Föhr fährt, weil diese Erfahrung quasi zur „DNA“ des Stama dazugehört und jeden jungen Menschen prägt.

Und genau darin liegt vielleicht das Besondere: Die Fahrt auf die Insel Föhr ist kein Zusatzangebot, das nur einige Schülerinnen und Schüler wahrnehmen können. Sie ist ein gemeinsames Erlebnis des gesamten Jahrgangs und gewissermaßen ein Ritual nur wenige Tage nach dem Übertritt in die achte Klasse. Jede Generation erlebt dieselbe Insel – und gerade dadurch ist Föhr über Jahrzehnte zu einem Teil der eigenen Schulidentität geworden.

Die Schülerinnen und Schüler teilen dabei Erfahrungen, die weit über den Unterricht hinausreichen. Sie verbringen viel Zeit miteinander, lernen ihre Mitschülerinnen und Mitschüler von einer anderen Seite kennen und erleben ihre Lehrkräfte ebenfalls in ungewohnter Umgebung und frei von Notengebung. Eine solche gemeinsame Zeit kann einen Jahrgang nachhaltig zusammenschweißen.

Erinnerungen, die bleiben

Wie sehr die Jugendlichen Gefallen an dieser Reise finden, zeigen ihre eigenen Worte:

„Es war die beste Woche dieses ganzen Schuljahres.“
– Lina

„Es war mir eine Ehre, an dieser langjährigen Tradition teilzunehmen!“
– Sophie

„Ich wünschte, diese Klassenfahrt würde noch etwas länger andauern.“
– Amira

Auch Aurelia hebt besonders die gemeinsame Zeit hervor: Es sei lustig gewesen, einmal etwas anderes als Mathe zu machen. Besonders schön fand sie die lange Zeit mit ihren Freunden. Auch die Menschen auf der Insel seien ihnen sehr freundlich begegnet.

Julian beschreibt seine Eindrücke ähnlich begeistert: Er habe die Insel als sehr schön erlebt und es spannend gefunden, dass trotz ihrer Abgeschiedenheit alles modern sei. Besonders gefallen haben ihm die Wanderungen und die vielen Gespräche mit den Lehrkräften. Für ihn steht fest: „Es ist toll, dass das jedes Jahr an der Schule organisiert wird!“

Laura beobachtete vor allem, wie die gemeinsamen Unternehmungen den gesamten Jahrgang zusammenführten. Die „vielen verschiedenen Ausflüge“ hätten „alle drei Klassen richtig schön zusammengebracht“. Vico ist dankbar, „an einem so schönen Ort wie Föhr so schöne Erfahrungen gemacht zu haben“. Und Elli und Haily waren insbesondere davon beeindruckt, wie viel sie „über die Meerestiere gelernt haben“.

Eine Tradition, die weiterlebt

Die Föhrfahrt verbindet damit vieles, was Schule auszeichnet: Lernen und Entdecken, Bewegung und Erholung, Selbstständigkeit und Gemeinschaft. Vor allem aber schafft sie gemeinsame Erinnerungen, die bleiben. Der Einzelne erfährt sich als Teil einer Gruppe, die gemeinsame Ziele verfolgt und sich in dieser Schule und diesem Ambiente zuhause fühlen darf.

Seit nunmehr 73 Jahren kommen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums an der Stadtmauer nach Föhr, um genau diese Erfahrung zu sammeln und eine kostbare Entwicklung zu durchleben: vom Ich in der eigenen Klasse zu einem Wir über die gesamte Jahrgangsstufe hinweg. Die Insel wird dabei für kurze Zeit zu einem interessanten Lern- und Lebensort – und für viele zu einer Destination, mit der sie noch lange ihre Schulzeit verbinden werden.

So ist die Reise nach Föhr längst mehr als eine Reise. Sie ist eine liebgewonnene Tradition, ein gemeinsames Erlebnis und ein Stück Identität der eigenen schulischen Heimat!

Autorin: Claudia Römer